Sequere astra – „Folge den Sternen!“
Dieser Leitspruch der Familie von Klinggräff ziert den Giebel des Eingangsportals des ehemaligen Renaissance-Schlosses aus dem Jahr 1698. Von 1702 bis zur Enteignung 1945 befand sich das Gut durchgängig im Besitz der Familie von Klinggräff. Die Familie Klinggräff war von 1698 bis 1945 in Chemnitz und auch im benachbarten Pinnow ansässig. Die Stammreihe des Geschlechts von Klinggräff wird zurückgeführt auf Joachim Klinggräff, der um 1575 Ratsherr in Kindelbrück war. Seine Enkel Elias, Dietrich und Werner Friedrich von Klinggräff erwarben Güter in Mecklenburg, u.a. Pinnow und Chemnitz. Konrad von Klinggräff wohnte in Pinnow und verpachtete Chemnitz an W.v.d. Schulenburg und später an Frau v. Voß.
Erste Erwähnung fand der Ort schon im 12. Jh. in Urkunden über die Besitzungen des Klosters Broda. Bereits aus dieser Zeit stammt der Vorgänger des Schlosses in Form eines zweigeschossigen Holzständerbaus gegenüber der im Jahre 1165 erbauten Dorfkirche. Im 14. Jh. hatte die ritterbürtige Familie Kruse sowie die Familie Stalbom Chemnitz in Besitz. Weitere Eigentümer waren die Familien von Platen, von Aschersleben und von Voß.
Dem Anfang des 18. Jh. erstandenen Gebäudes, ließ die Familie von Klinggräff Mitte des 19. Jahrhunderts u.a. einen Gartensaal und die drei Ecktürme anfügen.
Das Gebäude ist etwa Mitte des 19. Jahrhunderts, wie einige benachbarte Gutshäuser auch, im englischgeprägten Tudorstil umgebaut worden. Während einer Umbauphase Anfang des 20. Jh. durch Konrad von Klinggräff erhielt das Herrenhaus die dreieckigen Giebelaufsätze an der Ost- und Westseite, die Allianzwappen jeweils auf der Nord- und Südseite und den Sinnspruch über dem Eingang am Giebel.
Der Haupteingang mit Freitreppe befindet sich auf der Ostseite und lässt damit die wunderschöne, großzügige innere Gebäudegestaltung auf den ersten Blick nicht erahnen. Neben den drei markanten Ecktürmen verfügt das Gebäude über beeindruckende Dachkonstruktionen, ein sog. Hängesprengwerk.
An den westlichen Gebäudeteil grenzte eine Kapelle mit klassischen gotischen Stilelementen, welche heute nicht mehr erhalten ist. Der Grundriss der Kapelle ist anhand eines inzwischen freigelegten Felssteinsockels erkennbar.
Nach 1945 diente das Schloss als Wohngebäude, als Konsum und für die Gemeindeverwaltung, später war hier auch eine Gaststätte eingerichtet. Im Jahre 1997 wurde das unter Denkmalschutz stehende Gebäude verkauft.
Zwischen der Kirche und dem Schloss befindet sich das ebenfalls unter Denkmalschutz stehende Torhaus. Dieses befindet sich im Eigentum der Gemeinde und verfällt leider immer mehr.
Nach 23 Jahren Leerstand und mehrerer Besitzerwechsel erwarb im Jahr 2020 die Familie Winter das Schloss und Teile des angrenzenden Parks.
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STEINERNES GEDÄCHTNIS; Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern,
Ein Handbuch, Band 5, Renate de Veer, Stock & Stein, 2006
STEINERNES GEDÄCHTNIS; Gutsanlagen und Gutshäuser in Mecklenburg-Vorpommern,
Ein Handbuch, Band 3, Renate de Veer, Stock & Stein, 2006
https://gutshäuser.de/de/guts_herrenhaeuser/gutshaeuser_c/gutshaus_schloss_chemnitz]

